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Donnerstag, 24. Mai 2018

Nicht für viel Geld: Brokkoli-Laibchen mit Kohlrabi-Karotten-Salat


Eine kleine Schlagzeile diesen Winter blieb mir im Gedächtnis: *Adele (ihr wißt schon, die Sängerin) schlug einen Auftritt für eine Millionen-Gage aus mit der Begründung, sie sei verhindert. Und zwar - jetzt kommts - sie sei gerade deshalb verhindert, weil sie im Garten mit Unkrautjäten beschäftigt sei.

Unwillkürlich ging mir im gleichen Moment die Geschichte durch den Kopf, die vermutlich jeder kennt, die vom armen Fischer und vom Betriebswirt.

Ich habe mir für diesen Monat fest vorgenommen, dass Adele mich begleitet, denn im Mai gibt es gewohnheitsgemäß draußen besonders viel zu tun ist. Genau jetzt, wenn das Unkraut um mich herum nur so exlodiert und mir selbst die vielen Arme einer Göttin Kali nicht ausreichen würden, um den sprießenden Widersachern Einhalt zu gebieten, wenn ich mir mit dreckigen Händen den Schweiß von der Stirn streiche und mich wie Sisphos' Sprößling fühle, mit schmerzendem Knick im Rücken und Blasen an den Fingern, dann ja dann denke ich an Adele samt dem Luxus, der mit dieser einfachen Tätigkeit verbunden ist. Eine Beschäftigung, die sich viele erst erlauben können, wenn sie mehrfache Millionäre sind. Also so in etwa eben.

Wobei mich das Spiel gerade schon an David und Goliath erinnert - ob der Größe unseres Gartens. Man braucht ihm nur kurz den Rücken zudrehen und dann scheint es, als ob die Natur jeden Versuch von Kultur für einen Schenkelklopfer hält. Was könnte ich kleine, wuselnde, energetische, nachtaktive Wichel als Unkrautvernichter gut gebrauchen. Herje, einfach im Mondlicht kurz drüberrennen lassen - das wärs.  Pffff, Rasenmäherroboter, das ist was für ein überschaubares, standartisiertes Gelände samt klarer Umrißlinie -  bref: das Gegenteil von unserem ausuferndenTerrassengrundstück.

Ehrlich gesagt, stelle ich mir Adele im Garten auch so mehr Rosemunde-Plicher-mäßig vor,  wie sie mit Strohhut und einer sehr schicken Jeanslatzhose, sowie einem geflochtenen Weidekorb am Arm von Rosenbusch zu Rosenbusch flaniert,um hier und dort eine welke Blüte abzuschneiden. So Hochglanz-Gartenzeitschrift mäßig. So Teilzeit-Schönwetter-Gartenambitionierte eben. Keine, die kniend den Unkrautstecher zückt, zuhackt, um dann zerrend mit rotem Kopf die Brombeerwurzeln trotzdem nicht richtig rausgezogen bekommt, sich dabei einen Fingernagel abreißt sowie ein Loch ins Shirt und einen Schwall unfläter Worte unterdrückt...

Aber hey, es gibt Menschen, denen das so viel Wert ist, wie ein Millionen-Gig, das muß man sich nur gerade immer wieder bewußt machen... Dann läufts...

Immer wieder habe ich kleine Küchen-Themen, an denen ich mich ein bißchen abarbeite. Gnocchi waren lange so ein Steckenpferd. Sehr viel Gemüse habe ich mittlerweile so verwandelt. Nun habe ich mich auf Gemüse-Bratlinge eingeschossen... Ihr werdet ja sehen, da kommt demnächst ein einschlägiges Rezept nach dem anderen.


Zutaten 3-4P:

500g Brokkoli
40g Haferflocken
40g gemahlene Mandeln
50g Dinkel-Vollkornmehl 
2 Eier2 junge Knoblauchstangen,
fein gehackt
2 TL Senf 
2 TL Thymian, fein gehackt
2 TL Rosmarin, fein gehackt
Kräutersalz
Piment d'Espelette
Pfeffer 
Rapsöl

1 Kohlrabi
3 Karotten
Salz, Pfeffer
2 EL Apfelessig
2-3 EL Sonnenblumenöl
1 Pr Zucker

Zubereitung:

Den Brokkoli über Dampf weich garen (weich aber nicht zu weich). Sehr gut ausdampfen lassen und nicht zu fein pürieren. Mit allen Zutaten vermengen vermengen und pikant abschmecken (Gemüse-Bulettchen aller Art dürfen gerne etwas überwürzt sein - sie vertragen viel und man erwartet viel von ohnen). 

Bällchen davon formen (m: zwischen Tischtennis-und Golfball/ kann aber nicht mehr sagen, wieviele ich geformt habe... vergessen... ausreichend auf jeden Fall für ca. 4P für ein Salat-Plus-Essen). Die Bällchen geformt ca. 15-20min im kalten ruhen lassen. Dann von beiden Seiten in Rapsöl anbraten.

Für den Salat Kohlrabi schälen und Karotten bürsten. Beide sehr fein reiben. Mit dem Dressing vermengen und etwa 10min marinieren lassen.

Wer mag zusätzlich mit einem grünen Salat servieren.


Montag, 21. Mai 2018

John Lennon - Kekse aka Weltfriedenkekse


Nicht, dass der Eindruck entstanden ist, dass die turbulenten Wetter-Kapriolen mein Verhältnis zu unseren Gästen einwolken könnte. Ganz und gar nicht - mich amüsiert diese kleine, sich wiederholende Kuriosität lediglich. Neinnein, da müssen schon andere Dinge passieren... Vermutlich - möchte ich behaupten - stellt unser Beruf für viele gar ein Traumjob dar. Zur Ferienzeit zeigen sich die meisten Menschen in ihrer besten Stimmung. Wunderbare Vorraussetzungen für Begegnungen.

*Ihr lebt ja in einem Paradies* ist ein Satz, den wir von unseren Feriengästen oft hören während ins Tal geblickt wird. Dann stimme ich freudig zu. Ja, das finde ich auch. Und ich kann ganz uneitel nicken, denn ich habe diese Landschaft ja nicht gemacht und auch nicht diese Ruhe und Weite. *Herzlich Willkommen in der kleinsten Sekte des Universums, unserer Zwei-Personen-Sekte*, lache ich dann, *gerne dürft ihr in Frieden mit uns leben*. 

Und manchmal scheints mir wirklich, als lebten wir wie unter einer Käseglocke, in unserer selbstgebastelten Seifenblase, in unserem kleinen Paradies-Garten, wo alles Unbill und alles Leid draußen bleiben muß. Wie wundersam eigentlich das sagen zu können, oder? Von alleine ist Bambi-Land allerdings nicht entstanden. *Halb zog sie ihn, halb sank er hin...* - von nichts kommt nichts. Wir haben uns diese harmonische und einträchtige Enklave immer gewünscht (Stichwort Vision  plus des Habibs unermüdliche Bauarbeiten über Jahrzehnte). Und der Himmel hat es uns ermöglicht und geschenkt.

Trotzdem machen die furchtbaren Weltnachrichten wie etwa in Gaza nicht Halt an unserem Gartenzaun. Leider, denke ich oft. Logo sind wir mit der Matrix verbunden. Nichts geht mehr ohne. Selbst hinter der größten, dichtesten, buschigsten Hecke sollte noch Empfang sein. Ich muß es wissen, ich junke selbst. Könnte ich es aber bestimmen, dann würde ich wie eine komplett Orthodoxe infiltriert von einem psychotischen Elektro-Smog-Verfolgungswahn unseren Gästen am allerliebsten alle einschlägigen Geräte abnehmen. Einfach mal die Welt und all ihre Informationen und Einflüsse draußen lassen. Wie abgelenkt man doch schnell ist. Sich mal nur auf den kleinsten Kreis um sich konzentrieren, ganz im Hier und Jetzt leben, das Grün fixieren, Luft und Stille einatmen und vielleicht sogar nach Innen lauschen. *Nirgends, Geliebte, wird die Welt sein, als innen* (Rilke - Duineser Elegien). Aber auf mein Krückstockgefuchtel hört ja niemand. Und so einfach wie es sich anhört, ist die Umkehrung der Wahrnehmung gar nicht - siehe gerade das Nuf (und das meine ich in keinster Weise spöttisch - ich weiß zu gut aus eigener Erfahrung, wovon ich rede).

Doch - und damit rechnet niemand in dieser Idylle -  ich kann mich durchaus hinterrücks anschleichen. Dann setze ich mich halt subtiler durch. Dann verteile ich eben Kekse unter unseren Feriengästen. Weltfriedenkekse. Null Haschisch aber fette Dröhnung Schokolade. Mit der Hoffnung auf Wirkung. Mit dem John-Lennon-Feeling samt der schönsten aller Illusionen: Weltfrieden. Das alte Hippie-Programm mit und ohne freie Liebe - ganz nach Wahl... Wäre schon toll, oder? Kommt, eine runde Krümeln und Träumen mit John...


Zutaten - ca. 55 Kekse*:

175 Mehl
30g Kakao-Pulver
1/2 TL Natron
150g Butter, weich
120g brauner Zucker
50g weißer Zucker
1/2 TL fleur de sel
1 TL Vanille-Extrakt
150g Halbbitter-Schokolade (m: 60%) 

Zubereitung:

Mehl, Kakaopulver und Natron zusammen in eine Schüssel sieben.

Die Schokolade hacken, die Stückchen sollen nicht größer als 0,8 cm sein.

In einer weiteren Schüssel die Butter mit dem Handrührer cremig rühren. Beide Zuckerarten, Salz und Vanilleextrakt zugeben und 2 Minuten weiterschlagen. Den Mixer ausschalten.

Das Mehl in die Schüssel schütten und die Schüssel so gut es geht mit einem Küchentuch abdecken, damit es beim Verrühren nicht zu sehr staubt. Nun pulsierend ein paarmal durchrühren. Das Tuch entfernen und noch einmal kurz verrühren, bis alles Mehl aufgenommen ist. Den Teig dabei so wenig wie möglich bearbeiten, er darf ruhig etwas krümelig sein.
Nun die Schokolade kurz einarbeiten.

Den Teig auf die Arbeitsfläche geben und zu zwei Rollen von knapp 4 cm Durchmesser formen (m: mehr geknetet als gerollt - der Teig zeigte sich nicht leicht formbar). Diese in Klarsichtfolie einschlagen und für mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen (man kann die Rollen auch einfrieren: diese dann gefroren schneiden und 1 Minute länger backen).

Den Backofen auf 160°C vorheizen. 2 Backbleche mit Backpapier auslegen.

Die kalten Teigrollen mit einem scharfen Messer (ich habe eines mit Sägeschliff verwendet) in gut 1 cm breite Scheiben schneiden. Falls das etwas krümelt, macht das nichts, einfach die Kekse wieder etwas in Form drücken.

Die Kekse etwa 12 Minute backen, sie sind dann noch nicht fest. Das Blech auf einen Rost stellen und abkühlen lassen.

Die fertigen Kekse in einer gut schließenden Blechdose aufbewahren.

*Anmerkung m: bei mir sind es etwas mehr Kekse wie bei Petra geworden - ich habe wohl die Rollen etwas dünner geformt.

Quelle: Petra aka Chili und Ciabatta - bzw. Smitten Kitchen



Samstag, 19. Mai 2018

wettertechnisch: Kefir-Honig-Crème mit Kumquats


Jede Berufssparte unterliegt ihren Gesetzen und Geboten. Für die Hotellerie gilt als oberste Disziplin die der Diskretion. Das ist natürlich für jemanden wie mich, die gerne aus dem reichen Fundus der unmittelbaren Ereignisse erzählt, sehr bedauerlich. Doch da läßt sich nicht daran rütteln: die Edikette schreibt vor, über Gäste einen Mantel des Schweigens zu legen. Das reicht jetzt nicht an die Schweigepflicht der Ärzte und Pfarrer ran, vielmehr ist das ein insgeheimer Kodex. Auch wir als kleine Gîte-Vermieter haben die Privatsphäre unserer Gäste zu schützen. Alles andere wäre zudem geschäftsschädigend. Das kann also keiner wollen.

Als Sidekick fällt mir ein, wie zu Sturm-und Drangzeiten  meine beste Freundin und ich ein Shirt für die Disse bedrucken wollten, mit der Aufschrift *PRIVAT BIN ICH GANZ ANDERS*. Fanden wir einen echten Brüller. Es kam aber ebenso wie *Gegen Geduld* nie zur Umsetzung...

Zurück zum Nähkästchen. Natürlich - Kleinbetrieb wie wir sind - passiert es dennoch hin und wieder, dass wir einen einschlägigen Schwank zum Besten geben. Das ist nun mal unser Leben. Und das Meiste davon ist ja völlig jugendfrei. Trotzdem muß ich wiederholt feststellen, dass es wenig gibt, was Feriengäste weniger mögen, als eben solche Geschichten. Abgesehen von *schlechtem Wetter*. 

Am Ende einer Saison habe ich definitiv meinen Bedarf an Wetter-Gesprächen für mehrere Monate im voraus gedeckt. Hinzu kommt ja, dass die (französische) Landbevölkerung ebenfalls bevorzugt über das Wetter smalltakt. Dabei wird geunkt, was das Grün hergibt, mit Bauernregeln gekalauert und entweder über große Hitze oder mangelnden Regen oder beides geklagt. Gerade Regen macht - das werde ich wohl nicht weiter erklären müssen - den großen Gegensatz zu Wettergesprächen mit Feriengästen. Mit letzteren dreht sich dabei alles um *Nichtregen*, vor allem den zukünftigen. Manchmal habe ich den Eindruck, Südfrankreich dürfte für Urlauber auch gerne in der Wüste liegen. Was wiederum mit den Interessen eines Gärtners wenig bis gar nicht korrespondiert, aber das ist wieder eine andere Baustelle...

Einer meiner Lieblinge in Buchungsanfragen lautet ungefähr wie folgt: *Wir würden gerne bei Ihnen nächstes Jahr in der ersten Septemberwoche Urlaub machen. Wie ist denn um diese Zeit das Wetter üblicherweise.* Anfangs brütete ich wirklich über eine seriöse Antwort in romanhafter Ausführung mit der Neigung, die erratene Erwartungshaltung (warm, Sonnenschein) zu bedienen (hach, verflixt meine Neigung zur gewissenhaften Ehrlichkeit sowie der Freude am Entgegenkommen). Gerne summte ich beim Schreiben diese Melodie. Aber Kinners, machen wir uns nix vor, eigentlich ist die Antwort ganz einfach: ich weiß es nicht. Heiße ich Delphi? Könnte ich das vorhersagen, würde ich das hauptberuflich machen. So siehts aus.

Auch wenn wir auf unserer Terrasse stehen und damit ungewöhnlich viel Himmel gegenüber, verleitet das ausgesprochen oft zur Wettermystelei. Gerne versichere ich dann auskunftsfreudig, dass ich nun nach Jahren - was meine Übung zu Vorhersagen angeht - bei soliden 50 Prozent angekommen bin. Man kann nicht sagen, dass ich mit meiner Meinung als Meterologie-Koriphäe hinterm Berg halte...

Und gegen Regenwolken ist mein Patent-Rezept, ab in die Küche und was Süßes basteln. Damit verarzte ich auch gerne Wetter abgeduschte Feriengäste als Stimmungsaufzuckerer. Ich verstehe ja schließlich, dass sich alle für ihren Urlaub Azuro-Tage wünschen. Hier ein einfaches Gläser-Dessert mit dem gewißen Eß-was - vor allem dank den Kumquats aus eigener Ernte.



Zubereitung 4 Gläser:

250g Kefir
80g Sahne
50g Honig (m: Thymian-Honig)
1 Pr Salz
2 1/2 Blatt Gelatine

150g Kumquats
4 TL brauner Zucker
1 Orange
1 Vanille-Schote
einige Blättchen frischer Verveine/ oder Melisse

Zubereitung:

Blattgelatine in kaltem Wasser für mehrere Minuten einweichen, dann gut ausdrücken. In dem Honig bei sanfter Temperatur in einem kleinen Topf auflösen. 2-3 EL Kefir dazu geben, dann alles sorgfältig unter den Kefir rühren. 

Schlagsahne steif schlagen und unterheben. Creme in Gläser füllen und mindestens 45 Min. kalt stellen. Inzwischen Kumquats waschen, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Saft von der Orange auspressen. Vanilleschote längs aufschneiden und das Mark herauskratzen. Kumquatscheiben, Zucker, Orangensaft und das Mark der Vanilleschote 5 Min. leise kochen, kurz vor Ende die fein hackten, frischen Kräuter unterrühren. Anschließend im kaltem Wasserbad abkühlen lassen. Kefircreme mit den Kumquats servieren.

Inspiration: Essen und Trinken 


Montag, 14. Mai 2018

Individualität: Kräuter-Couscous mit grünem Spargel


Selten, dass ich mich für ein Buch entscheide auf Grund der kurzen Rezensionen der Klappenseiten. *Wahnsinnig und ergreifend wie Dostojewski oder Dickens. Besser geht's nicht* SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Oder *Philip Roth ist schlicht und einfach der größte Romancier, der heute in englischer Sprache schreibt* FAZ. Zwei herausgegriffene Mini-Lobeshymnen. Nun, ich kannte Philip Roth nicht und dementsprechend das Buch *Der menschliche Makel* ebenso wenig. In einem Bücherregal in einem finnisch-thailändisch betriebenen Resto in Thailand mit überwiegend finnischen Büchern fischte ich mir dieses heraus. BÄM - was ein Buch! Fette Beute. Aber sowas von!

Zu Beginn jedoch war ich kurz vor Aufgabe (ihr erinnert euch an meine neue Striktheit), denn mein Eindruck der ersten Seiten war, dass mir diese Geschichte zu amerikanisch sowie zu vulgär wird. Nach Überwindung des Anfangs inhalierte ich. Ein Minus bleibt (das einzige Minus), dass die geschilderte Sexualität überhaupt nichts mit meiner Erlebniswelt zu tun hat - aber darüber konnte ich gut hinweg lesen. 

Was ein kluges Buch! Klug im Sinne von durchdacht. Klug im Sinne von gebildet. Selten - eine weitere Außergewöhnlichkeit - dass ich nach Abschluß des Buches derart viele Fragezeichen an die Seitenränder gemalt hatte. Bei griechischen Dramen tun sich bei mir bedauerlicherweise (!) schwarze Löcher auf. Doch wie wundervoll bohème lässt sich damit anspielen und kunstvoll Bögen schlagen. Ich war mächtig beeindruckt. Wie überhaupt von dieser von Philip Roth entworfenen Biographie, die zu keiner Zeit künstlich wirkt, oder eben erfunden, weil zu sehr *ausgeklügelt*. 

Philip Roth spielt die Idee durch, wie radikal man Selbstverwirklichung treiben kann und beschäftigt sich somit mit einem meiner liebsten Themen, das der Individualität. Sein Hauptprotagonist ist Coleman, *der größte der großen Pioniere des Ichs.* In erfrischender Lebendigkeit der Sprache plus einigen Nebenschauplätzen zur amerikanischen Zeitgeschichte wie Rassentrennung oder Kriegsveteranen geht es um das ganz große Thema der Menschwerdung.  Zu tiefst faszinierend wirft Philip Roth einen kunterbunten Regenbogen an Fragen auf:

Wie geht freie Lebensführung? Wie sehr hindert Zeitgeist oder Gesellschaft? Wie sehr lassen wir uns davon einengen? Haben wir überhaupt eine Vision für unser Leben? Wie sehr wird unser Leben bestimmt durch Prägung im Elternhaus, Bildung, Konventionen, Neigungen, Erfolg, Talent? Wie gehen wir mit Hindernissen um? Wie sehr wollen wir Teil der Gesellschaft samt deren Gesetze sein? Schöpfen wir unser Potenial aus? Geht es darum? Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für unsere eigene Vorstellung von Leben und Freiheit? Anständigkeit, Schicklichkeit, Ehrlichkeit, Sittlichkeit - sind das Richtlinien? Wer legt fest, was das ist? Wie gut kennen wir uns selbst? Wie gehen wir mit Begierde/ Sexualität um? Gibt es Schicksal? Etwas, das uns zum Spielball macht, selbst wenn wir uns für den Spielführer halten? Kann man der Gesellschaft, dem Diktat von *wir*, überhaupt entrinnen? Welche Kraft braucht es dazu?

Und für mich die große Stärke dieses Buches, die unterschwellig wiederkehrende Frage: Stolpert man nicht so oder so immer wieder über sich selbst?

Auch erinnerte ich mit an einen Goethe-Satz aus *Die Wahlverwandtschaften*: *Man nimmt in der Welt jeden wofür er sich gibt; aber er hat sich auch für etwas zu geben.*

Ich könnte noch fort- und fortfahren mit meiner Begeisterung. Also kürze ich ab mit einem laut ausgerufenem LESEN! und einem Textauszug, um euch ein Beispiel zu geben für Roths Sprache: *Ihr Haar war spektkulär, ein labyrinthischer, wuchender Kranz aus Locken und Spiralen, so wirr wie ein Fadenknäuel und ausladend genug, um daraus eine Weihnachtsdekoration zu basteln. Alle Unruhe ihrer Kindheit schien sich in den Windungen dieses undurchdringlichen Haardickichts niedergeschlagen zu haben. Ihr unbezähmbares Haar. Man hätte Töpfe damit putzen können, ohne dadurch seine Beschaffenheit zu verändern - als wäre es etwas aus den tintendunklen Tiefen des Meers, eine Art drahtiger, riffbildender Organismus, eine lebendige, üppig sprießende, onyxfarbene Hybride aus Staude und Koralle mit möglicher pharmazeutischen Eigenschaften.*

Unangezweifeltes Fazit für mich: MEHR Philip Roth.

Gegessen wird dazu ein frisches Mai-Couscous mit grünem Spargel. Das Pesto - dieses Mal wieder nur fein gehackt - hatte ich einst als royal bezeichnet und ich bleibe dabei. Mir dünkte, als ob ich eine zu große Menge gekocht hätte, allein: es wurden keine Reste gelassen.
 

Zutaten 2P:

130g Couscous, grob
130ml Wasser
Salz

500g grüner Spargel
1 Pr Zucker
1 Bund Koriander
einige Stiele Minze
einige Stiele Basilikum (m: vietnamesisch)
1 Avocado
2-3 TL Tahini (Sesampaste)
Limettensaft
Salz, Pfeffer
2 EL geröstete Pinienkerne
Olivenöl

Zubereitung:

Die frischen Kräuter sehr fein hacken. Pinienkerne ohne Fett in einer Pfanne rösten und zur Seite stellen.

Das untere Drittel des grünen Spargels putzen und die Enden abschneiden. In mundgerechte Stücke schneiden. 

Den Spargel in etwas Olivenöl anrösten und den Zucker darüber karamellisieren lassen. Salzen, pfeffern, 2-3 EL Wasser zufügen, Deckel auflegen und bissfest garen (dauert etwa 7min).

Couscous in die gleiche Menge kochendes und gesalzenes Wasser geben, Deckel auflegen und ca. 5min quellen lassen. Parallel dazu die Tahini-Sauce anrühen - dafür die Sesampaste mit Zitronensaft, etwas Wasser, Salz und Pfeffer anrühren. Die Sauce zusammen mit dem Kräutern unter das Couscous heben, ebenso den fertig gegarten Spargel und die Pinienkerne. Zuletzt die klein geschnittene Avocado untermengen und direkt servieren.


schon wieder verblüht: der wunderbar duftende Goldlack

Samstag, 12. Mai 2018

12 von 12 - Mai 2018










Samstag ist kein Tag, um nur in der Sonne zu sitzen. Nicht, wenn bei uns die Feriengäste-Saison wieder begonnen hat. Samstag heißt Wechsel in *Sonne und Lavendel*.

Das Porridge-Foto habe ich mir geschenkt - same procedure. So geht Landleben: irgendwo zwischen Rush-Hour und Murmeltier-Tag. Mit deutlichem Hang zum Murmeltiertag.

Samstags gehen wir - wenn irgendwie möglich - auf den Markt nach Crest. Wie ich jetzt feststellen muß, kaufen wir dort äußerst plastikfrei ein. Ist mir bisher so gar nicht bewußt gewesen, aber seit das neuerdings Trend-Tendenzen in Blogistan hat... Der obligate Ziegenfrischkäse kommt genauso mit (dafür hat ihr jeder seine eigene mitgebrachte Schüssel), wie sich Zeit findet für ein Café-Stopp samt Croissant in der Sonne. Schöne Rituale wollen gelebt werden.... hey, wir leben in Südfrankreich...

Samstag heißt, Gäste zu verabschieden und neue Feriengäste zu begrüßen. Das bedeutet putzen (*das Schwalbennest*), Wäsche waschen... und Wildblumen pflücken für die Neuankömmlinge.

Danach wird schnell gekocht - nix zum Verbloggen. Ein Essen, das ich schon als Studentin *gekocht* habe: Käse-Reis mit buntem Salat. Liebe ich immer noch.

Unsere Wildbienen in der Naturstein-Hausmauer haben sich heute wieder geteilt - ab sofort leben wir in WG mit zwei Völkern (ich erzählte bereits mal...)

Ansonsten bin ich die krasseste Unkrautbekämpfungsmaschine westlich des Rheins. Mindestens. Und in den Pausen wird gesät, eingepflanzt und gegossen. Es wächst. Keinerlei Gärtnerklagen unsererseits. Es ist ein fruchtbarer Frühling, wie man ihn sich nur wünschen kann: Erbsen, Saubohnen, Zucchini, Zuckerschoten uswusf... alles macht, wie es soll. Bis jetzt. Ohne diese Klausel gehts nicht. Man kennt ja so langsam die Fallstricke des Schicksals... ob im Garten oder überhaupt...

Ansonsten ist Akelei-Zeit total. Üppig haben sie sich ausgebreitet und eben so rigoros muß man sie nach der Blüte kurz halten. Sonst übernehmen sie das Regiment. Mit erstaunlich tiefen Wurzeln.

Und ja, wenn man heute so in den Himmel schaut... es hat Athmosphäre. Die Setzlinge würden sich über eine Dusche freuen. 

Ich gehe noch für eine kleine Yoga-Einheit auf die Matte, merke aber, das ich heute bereits genug in Bewegung war... Feierabend mit 12 von 12... 

... mehr von Menschen, die mit 12 Bildern von ihrem Tag erzählen wie immer bei Caro aka Mme Kännchen...